Zum Beispiel mit 4 völlig fremden Personen in einem Zimmer schlafen. Das ist gar nicht so schlimm wie man denkt - jedenfalls war es das für uns in Frankfurt nicht. Wir übernachteten im Meininger Hotel am Frankfurter Flughafen und da unsere Zimmergenossen um 6 Uhr morgens aus den Federn mussten, waren wir natürlich auch bald hellwach. Das machte aber nichts, denn da unser Flug um 11:20 Uhr ging, hätten auch wir nicht viel später aufstehen müssen. Ole und ich brauchten nicht lange um uns fertig zu machen und frühstückten dann noch ganz in Ruhe. Schließlich wurden wir mit dem Hotelshuttle zum Flughafen gefahren und da standen wir dann plötzlich: Am Anfang unseres Abenteuers.
Der Check-In und auch die anderen Formalitäten verliefen reibungslos und als wir ins Flugzeug stiegen wurde uns beiden klar, dass es wirklich langsam ernst wurde. Ich war ja schon ziemlich oft geflogen und fand dieses ganze Einsteigen und Plätze suchen usw. deshalb völlig unspektakulär, aber Ole war sofort über den kleinen Fernseher begeistert, der im Sitz vor ihm befestigt war. Als er mir aber eine Art Konsole zeigte, mit der man Spiele auf dem Bildschirm spielen konnte, zeigte ich etwas mehr Begeisterung...
Da wir mit China Airlines flogen, waren auch die Stewardessen asiatisch und das führte dazu, dass Ole hin und wieder mal einen Blick hinter ihnen herwarf... :D Als wir dann endlich in die Lüfte abhoben und den 13 Stunden langen Flug begannen, sank ich sofort in einen nicht sehr kurzen, tiefen Schlaf.
Wir verbrachten den Flug damit, zu schlafen, Filme zu gucken, Musik zu hören, zu essen und die Aussicht (vor allem den Sternenhimmel und den Sonnenaufgang gegen Ende des Fluges) zu genießen. Zurück zum eigentlichen Thema: Etwas Neues ausprobieren. Als Ole nämlich Shrimp serviert bekam, wurde ich direkt mal genötigt, den zu probieren (schmeckte mir nicht), aber ich dachte mir, was soll's, ich bin ja hier um etwas Neues auszuprobieren. Als ich dann rohen Lachs aufgetischt bekam, klatschte ich mir ein Stück davon auch mal gleich auf's Brötchen. Ganz ehrlich, das muss ich nicht jeden Tag haben, aber so schlecht war es auch wieder nicht.
In Taipeh gelandet, dauerte es erst einmal ewig, bis wir bei der Passport Kontrolle drankamen, aber wir sahen auch einige andere Backpacker die gerade angekommen waren. Nach der Passportkontrolle bekamen wir zum Glück unsere Backpacks sehr schnell und ich zog mich auf der Toilette um, den wir wussten, dass es in Taipeh ca. 30°C sein sollten. Das mit dem Umziehen war eine hervorragende Entscheidung...
Danach kamen wir auch direkt an einen Schalter, an dem man Geld umtauschen konnte. Eigentlich wollte ich ja direkt mit meiner Kreditkarte an einem Automaten Geld abheben, doch ich fand keinen und tauschte deshalb meine gesamten US Dollar und meine australischen Dollar ein, da ich wusste, dass ich das taiwanesische Geld für das Bezahlen unseres Zimmers brauchen würde...
Da waren nun also, nach taiwanesischer Zeit halb sieben Uhr morgens, nach deutscher Zeit so langsam Zeit zum Schlafengehen und wir wussten nicht so recht wohin, denn im Hostel konnten wir erst gegen 14 Uhr einchecken. Wir beschlossen also, erst einmal in die Stadt zu fahren und uns dort ein wenig umzusehen und etwas zu essen zu besorgen. Der Mann am information desk suchte uns gleich die passende Busverbindung zur Taipei Main Station raus und schickte uns eine Etage tiefer, wo wir Tickets kauften und dann den ersten Schritt aus dem Flughafen heraus und in die ekelhafte, schwüle, warme, erstickende taiwanesische Luft machten. Das war wirklich ein totaler Schock in dem Moment und wir hätten am liebsten auf dem Absatz kehrt gemacht, aber schließlich wartete da ja ein Abenteuer auf uns... ;)
In dem klapprigen Bus wurden wir dann erstmal von einem asiatischen Jungen fotografiert, erhaschten einen ersten Blick auf die Stadt und auf Berge und Wälder, die wie Regenwälder wirkten, und ich stellte fest, dass ich mich wie eine völlige Analphabetin fühlte, da mir die chinesische Schriftzeichen auf den Gebäuden wie Hieroglyphen ins Auge zu springen schienen.
Auch den Busfahrer verstanden wir natürlich überhaupt nicht, aber da Taipei Main Station die Endstation war und auf einmal alle ausstiegen, dachten wir uns, okay, steigen wir halt auch aus. Erwies sich zum Glück auch als die richtige Entscheidung.
Von dort aus liefen wir eine Weile ziellos herum und ich fing schon nach 5 Minuten an mich über mein schweres Backpack zu beklagen, sodass Ole in der Taipei Main Station nach Schließfächern suchte und wir dort dann unsere Sachen einschlossen und dann mit einem einfachen Rucksack und einem wunderhübschen Brustbeutel erneut loszogen.
Wir liefen dann einfach ein paar Mal um ein paar Blöcke und sahen uns um, um ein Gefühl für die Gegen zu kriegen, und das was uns als erstes auffiel waren die verdammt nochmal lächerlich vielen Rollerfahrer. Die sind hier wirklich ÜBERALL. Und die fahren auch nebeneinander, zu zweit, zwischen den Autos hindurch. Und überfahren dich fast. Beängstigend. Und meist stehen sie auch noch zu 40 Leuten an der Ampel und fahren bei grün alle gemeinsam los (die Ampeln zeigen übrigens an, wie viele Sekunden man noch hat, um auf die andere Straßenseite zu gelangen, und je weniger Zeit man hat desto schneller läuft das Männchen :D)!
Nach einigem Rumlaufen entschieden wir uns dann, mal mit der U-Bahn zum Taipei Botanical Garden zu fahren. Auf dem Weg zur Taipei Main Station bemerkten wir dann, wie ein kleines Mädchen einem Mädchen, die wohl etwa in unserem Alter war, irgendetwas zuflüsterte und auf Ole und mich zeigte. Das größere Mädchen griff daraufhin in ihre eigenen Haare und zeigte lächelnd auf uns. Und obwohl wir diese verflixte Sprache hier nicht verstehen, wussten wir natürlich sofort, was gemeint war: Das kleine Mädchen wusste nicht, das Menschen auch blonde Haare haben können! Nein, wie süß!
In der Bahnstation beschlossen wir dann doch erst einmal etwas zu essen und da es dort gefühlte 100 Essstände bzw. Geschäfte gab, dauerte es etwas, bis wir etwas passendes gefunden hatten, aber schließlich standen wir vor einem kleinen Geschäft wo die Speisen auf Tellern in einer Vitrine ausgestellt waren, und wir zeigten mit dem Finger auf einen Teller mit Nudeln, Soße und frittiertem Hähnchen. Die junge Angestellte konnte zum Glück etwas Englisch und verstand, dass wir uns die Portion teilen wollten. Das wir das Ganze allerdings mit Stäbchen essen mussten, hatten wir wohl schon irgendwie wieder verdrängt... Das Hähnchen an sich war kein Problem, aber an den Nudeln verzweifelten wir wirklich fast. Das ging nur mit viel Schlürfen und wir sahen dabei für europäische Maßstäbe bestimmt einfach nur schrecklich aus! Ich habe schon fast erwartet, dass die gleich aus Mitleid rüberkommen und uns richtiges Besteck bringen... Aber nein, wir mussten da durch und wir haben es auch irgendwie hingekriegt. Dazu bekamen wir übrigens eine nach Spülmittel schmeckende Suppe. Mmh, lecker.
Als wir dann zum Taipeh Botanical Garden aufbrechen wollten, stellten wir allerdings fest, dass wir unsere Sachen nicht mehr lange einschließen konnten und es sich jetzt schon fast nicht mehr lohnte dorthin zu fahren, da wir bald im Hostel einchecken konnten. Wir chillten also noch ein bisschen im Bahnhof rum, beobachteten die Leute und ich schlug dann vor, dass wir uns ja schon mal Bahntickets besorgen könnten. Als wir natürlich die Schriftzeichen am Automaten nicht lesen konnten, führte uns der Herr, den wir um Hilfe baten, so ziemlich einmal durch das gesamte Gebäude und dann gelangten wir schließlich - 5 Minuten, bevor wir unsere Sachen aus dem Schließfach abholen mussten - zur eigentlichen Bahnstation der Taipei Main Station.
Wir bedankten uns also für seine aufopfernde Hilfe und suchten uns den Weg zurück zu den Schließfächern. Nun standen wir wieder am gleichen Problem: Wie kamen wir zurück zur U-Bahn-Station? Wir sahen also auf einen Plan in der Nähe und wurden prompt von der Seite von einem Taiwaner angesprochen, woher wir denn kämen und wohin wir denn wollten. Wir zeigten dann auf den U-Bahn-Plan und er erklärte, er wollte zur U-Bahn-Station und wir könnten ihm gerne folgen. Die war aber auch verdammt schwer zu finden, diese blöde Station!
Dankend folgten wir ihm und erzählten, dass wir aus Deutschland kämen, worauf er antwortete, er sei schon einmal in Bonn gewesen. Wir bedankten uns wieder für seine Hilfe und kauften uns Tickets, was dieses mal auch viel einfacher ging. Am Bahnsteig stellten wir uns einfach irgendwohin und warteten auf die Bahn. Irgendwann mussten wir dann feststellen, dass uns schon alle Leute anglotzten und sie alle in einer Schlange standen, die mit Linien auf dem Boden begrenzt war. Ups! Konnte ja keiner ahnen, dass die hier so geordnet in die Bahn einmarschieren.
Nachdem ich schon die ganze Zeit wegen meinem Rucksack am Jammern gewesen war, stellte ich nun so langsam fest, dass mir das Gewicht auf die Schultern drückte und begann zu ahnen, woher die Schmerzen kommen könnten. Ich kam also auf die grandiose Idee, meinen Hüftgurt enger zu schnallen und - voila! das Gewicht auf meinen Schultern war fast völlig verschwunden! ;)
Wir fuhren dann also zu der Station, von der man zu Fuß zum Hostel gelangen konnte, und begannen (nach wie vor bei brühender Hitze und Schwüle sowie mit ca. 13 Kilo auf dem Rücken sowie noch einmal kleinen Rucksack vor dem Bauch) zu laufen. Mir persönlich kam das Viertel, in das wir gelangten, ziemlich dreckig und irgendwie zwielichtig vor. Überall Werkstätten, heruntergekommene Gebäude (sowas habe ich noch nie gesehen) und das alles auf engstem Raum. Meine Mama hätte sich wahrscheinlich auf dem Absatz umgedreht und sich eine andere Bleibe gesucht! Tja, jetzt gab es allerdings kein Zurück mehr, die 5 Nächte waren gebucht und wenn das Hostel keine völlig heruntergekommene Schabracke war, würden wir auch unser Zimmer beziehen. Wir bogen also irgendwann in diese kleine Straße ab die (wie alle anderen in diesem Viertel auch) mit Unmengen von Kram vollstand. Der Beschreibung nach war das erste Gebäude auf der linken Seite ein Tattooladen und wir mussten irgendwo klingeln, um ins Hostel zu kommen. Der Tattooladen war geschlossen und wir sahen nur bis auf den Boden heruntergelassene Jalousien(/-Tore) und ein Schild auf der 1. Etage mit der Aufschrift "JV's Home". Ah, ja. Okay. Also weiter in die Straße hinein, keine Ahnung wie man in das Gebäude kommen sollte, aber Ole stand plötzlich vor einer Eisentür, an der ein Schild klebte, das einen dazu aufforderte zu klingeln. Also taten wir das. Eine Stimme meldete sich aus der Sprechanlage, und nach einigem Nachfragen verstanden wir, dass die Stimme am anderen Ende wissen wollte, ob wir eine Reservierung hatten. Oh ja, die hatten wir! Die Eisentür ging mit einem Klicken auf und gab den Blick auf eine steile, nach oben führende Treppe frei. Na dann mal hoch da. Im zweiten Stock kam uns eine Taiwanerin entgegen und führte uns in unser Sechserzimmer. Sie gab uns Schlüssel für unsere Schließfächer und erklärte uns ein paar Dinge, wie z.B. dass wir die Schuhe unten hinstellen sollten und dass es drei Duschen und drei Toiletten gab. Ähm, für wie viele Leute...? Wie sich herausstellte, für so einige.
Völlig durchgeschwitzt ließen wir uns erstmal auf unsere Betten sinken und machten schon bald Bekanntschaft mit einigen Leuten. Dann gingen wir duschen (die Duschen und Toiletten sind okay, bis auf dass man Toilettenpapier nicht in die Toilette werfen darf). Bald fiel uns auf, dass die Räume kaum Fenster hatten, allerdings die meisten (vor allem unser 6er-Zimmer) gut klimatisiert waren. Na, hallelujah! Anders wäre an Schlafen ja nicht mal zu denken gewesen.
Wir beschlossen dann, uns einen Plan für die nächsten fünf Tage zurechtzulegen und aufzuschreiben, welche Sachen wir an welchem Tag ansehen wollten und welche Sehenswürdigkeiten räumlich so nah beieinander lagen, dass es sinnvoll wäre, sie nacheinander abzuklappern. Beim planen schlief Ole allerdings fast ein (ich hab dich ja gewarnt, du Dauer-Optimist! :P) und ich schlug dann vor, 2 Stunden zu schlafen (aber nicht länger, damit wir in den Schlafrhytmus vor Ort auch irgendwann reinkommen) und das taten wir dann auch. Um 19 Uhr machten wir uns dann auf zu einem der vielen Nachtmärkte in Taipeh, von denen einer wirklich nur 3 Minuten zu Fuß entfernt lag. Praktisch!
Dort gab es dann so ziemlich alles, vor allem Menschen (die Asiaten, sie sind überall...), Essen, Kleidung, Schmuck, Souvenirs, Schnickschnack... Und was für Kleidung! Für mich als Mädchen ein absolutes Shoppingparadies, vor allem bei Preisen zwischen 2 und 10 Euro! Welche Schande, dass mein Backpack voll ist und ich keine dieser Sachen in Australien werde tragen können wenn ich sie mir kaufen würde, weil sie einfach zu schick wären... Life is a bitch. Aber sollte sich die Gelegenheit eines Tage noch einmal ergeben, dann schwöre ich, kaufe ich extra einen zweiten Koffer für die ganzen Klamotten... :(
Im Supermarkt deckten wir uns dann noch mit unserem heutigen Abendessen ein: Ole nahm sich Omelette mit Reis für die Mikrowelle mit und ich nahm Melon Bread, Cheese Break und Red Bean Bread (in den Mangas, die ich gelesen habe, wurde auch öfter Melon Bread und Red Bean Bread gegessen, deshalb musste ich mir das natürlich sofort aus Prinzip schnappen). Und schon wieder was Neues ausprobiert ;) War alles ganz okay, aber das Melon Bread fand ich sogar lecker (eigentlich mag ich keine Melone, aber es schmeckte ja auch nicht danach). Oles Essen schmeckte auch echt gut! Das probiere ich dann beim nächsten Mal.
Nach dem Abendessen vervollständigten wir dann noch unseren Sightseeing-Plan für diese Woche und lernten noch ein paar andere aus dem Hostel kennen.
Wow, das war der erste Tag und es ist so viel passiert - aber schließlich sind wir jetzt auch seit ca. 36 Stunden mehr oder weniger ununterbrochen wach! Ich hoffe, ich habe nichts vergessen.
Und ich hoffe, euch hat dieser erste Bericht unserer Reise gefallen. :) Es werden natürlich noch weitere folgen, also bleibt dran!
Fuck, wir sind echt in Asien!
Grüße aus Taiwan, Ole & Lis
| Oles Vorrat für die Fahrt zum Hostel in Frankfurt... Eier?! Ohne Kommentar... |
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| Lecker, Frühstück! Da kommt Freude auf! |
| Das erste Mal Nudeln mit Stäbchen essen... |
| Im Hostel, ich hab den Masterplan gefressen! |
| Unser Hostelzimmer... Nix mit Luxus hier! |

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