Freitag, 13. September 2013

Grund Nr. 2: Eine andere Kultur kennenlernen.



Das Blöde am Ausland ist manchmal, das dort alles etwas anders ist. Das muss nicht zwangsweise schlecht sein, aber wenn man in Deutschland von den Mücken verschont wird und dann nach Taiwan kommt, muss man unter Umständen feststellen, dass die ausländischen Mücken eben anderes Blut mögen als die heimischen. Was dann darin resultierte, dass ich überall von Mückenstichen übersät aufwachte und Ole, der in Deutschland nie von den Biestern in Ruhe gelassen wird, sich an seiner schönen stichfreien Haut erfreuen konnte.
Mit Natalie, Rafael, Dominik (der hier für 10 Monate zur Schule geht) und einem weiteren Mädchen ging es dann zum Mittagessen: seltsame gefüllte Teigtaschen, in denen immer Suppe mit z.B. einem Fleischbällchen drin war. Zum Nachtisch gab es ebenfalls mit Sesam, Bohnen und noch irgendetwas gefüllte runde Teigstücke (die mit Sesam waren am besten - meiner Meinung nach!). Solche kannten wir schon aus dem All-you-can-eat Restaurant.



(looking like a fuck in this one)

Unter strömendem Regen fuhren wir zurück ins Hostel und winkten Rafael aus dem Bus auf Wiedersehen, da dieser in unserem Hostel nur für den Sommer gearbeitet hatte und nun zu seiner Familie zurückfahren würde. Dass er nicht mit uns zum Hostel zurückkam, erfuhren wir quasi erst als wir schon im Bus waren und so bekamen wir keine Chance, uns richtig von ihm zu verabschieden. Erstmal ;)
Als wir auf dem Rückweg einen Zebrastreifen überquerten und ich keinen Regenschirm als Schutz gegen das prasselnde Wasser hatte, nahm mich plötzlich eine wildfremde Frau mit unter ihren Schirm, bis sie auf eine andere Straße abbiegen musste als ich - also das muss man den Taiwanesen echt lassen, sie sind verdammt nett!
Während ich dem Jetlag mal wieder Tribut zahlen musste und eine Weile schlief, ging Ole mit Natalie zu einem Stand neben dem Nachtmarkt, wo sie Lauchpfannkuchen bestellten - und an einem Klapptisch aus dem Schnellrestaurant(-stand) aßen, den Natalie mal gerade direkt neben dem Gehweg aufstellte!
Im Hostel verabschiedeten wir uns dann von Natalie auf deutsche Art (wir umarmten sie), da sie ebenfalls zu ihrer Familie fahren würde. Später schrieb sie uns dann über Facebook, dass es aufgrund des Regens viele Unfälle gegeben hatte und alle Züge Verspätung hatten und sie deshalb wieder zum Hostel zurückkommen würde. Aber das Jetlag ließ uns einfach keine Ruhe und übermannte uns mal wieder früh abends.
Sonntagmorgen hatten wir dann zum Glück keine Probleme, früh aufzustehen und wuschen zum ersten Mal alleine Wäsche (jedenfalls war es für mich das erste Mal). Alles zusammen rein in die Maschine! Und nix passiert.
Um den Tag gesättigt überstehen zu können, besorgten wir uns auf dem Nachtmarkt um die Ecke, der morgens zum normalen Markt mutiert, im Supermarkt und beim Bäcker noch ein paar Brötchen und Ole nahm sich noch frische Äpfel und Kirschen mit. Bei einem Stand schafften wir es dann auch noch irgendwie - mit Händen und Füßen und dank netten Dolmetschern - uns zwei Portionen von unseren geliebten Lauchpfannkuchen zu bestellen. Das Rezept muss definitiv noch her! :)
Im Hostel packten wir dann unsere Rucksäcke und als Natalie kam und wir die keksartigen Dinger mit Honig verzehrt hatten, die sie uns mitgebracht hatte und wir erfuhren, dass Rafael auch nochmal zurückkommen würde, warteten wir auf ihn und fuhren noch einmal gemeinsam Mittagessen.
Im Restaurant aßen "wir" als Vorspeise Hähnchenstücke, an denen so viel Knorpel und ekliges Zeug dran war, dass ich mir das nicht einmal ansehen wollte und auch Ole überlies das Essen nach dem ersten Stück den beiden Taiwanesen. Das richtige Essen waren dann zum Glück scharfe Nudeln, die wirklich lecker schmeckten.
Anschließend ging es auf den Flower Market, wo es überall Blumen, Bonsais, Brunnen und Ähnliches zu sehen gab. Ole kaufte sich zum ersten Mal eine Guave, die er nicht mochte, ich aber gar nicht so schlecht fand, und dann gingen wir zum Jademarkt (Jade wird in Taiwan viel verkauft), wo wir uns münzförmige grüne Jadestücke kauften und diese nachher noch von einer Frau an einem Armband befestigen ließen. Das hätten wir ohne Rafael und Natalie niemals geschafft, denn ohne Chinesisch kommt man hier nun mal nicht sehr weit. Nur um was zu Essen aufzutreiben reicht es gerade noch :D
Auf dem Rückweg zum Hostel verabschiedeten wir uns in der U-Bahn-Station nun endgültig von Natalie und Rafael. Übrigens gibt es an einer Straße auf dem Weg zum Hostel ganz viele Tiergeschäfte, wo kleine Hundewelpen und Katzenbabies in Käfigen in den Schaufenstern ausgestellt sind. Ich persönlich fand das schrecklich - Kaninchen und Meerschweinchen, okay, aber Hunde und Katzen?!
Gegen 18 Uhr machten wir uns auf zur Bushaltestelle, von wo unser Bus zum Flughafen fahren sollte, und Robby, eine weitere Angestellte, machte sich die Mühe uns den ganzen Weg dorthin zu begleiten. Sie wollte sogar noch mit uns zum Flughafen fahren, um sicherzugehen, dass wir auch das richtige Terminal erwischten (was wir natürlich nicht auf Anhieb taten), aber das lehnten wir dankend ab, da wir ihr nicht noch mehr Mühe bereiten wollten. Im Terminal 2 schickte man uns dann per Skytrain zum Terminal 1, wo wir unsere Tickets und dann was zu Essen besorgten. Ich probierte noch Brown Sugar Cake und aß ein Rosinenbrötchen (gibt's zum Glück in jedem 7-Eleven) und wir tranken noch jeder 2 Bier. Das Eine nahmen wir sogar mit zum Geldwechseln, wo der Mann uns nicht alles wechseln konnte, weil er nicht so viele australische Dollar hatte, und gab uns deshalb ein paar taiwanesische Dollar zurück mit den Worten "so you can buy more beer!" :D Ich glaube, wir erfüllten in dem Moment das Klischee, dass die Deutschen immer Bier trinken, voll und ganz...
Den Flug verbrachten wir mit Filmegucken und schlafen, wofür wir dieses Mal sogar ausreichend Platz hatten, da wir zu zweit in einer Viererreihe saßen. Jackpot, würde ich mal sagen ;)
Dann ging es durch die Passportkontrolle, wo wir nur kurz unsere Pässe und Visumsbestätigungen vorzeigten. Wir holten unsere Backpacks und mussten noch einmal mit den Einreisekarten, die wir im Flugzeug ausfüllen mussten, durch eine Kontrolle (auf die Karten musste man z.B. draufschreiben, was man ins Land einführte, wie Früchte, Gemüse, Medizin, Waffen, etc.). Unsere Sachen wurden denn von einem Suchhund durchgeschnüffelt, nachdem Ole der Angestellten erzählt hatte, dass er zwei Äpfel im Rucksack hatte (die er auf dem Markt in Teipeh gekauft hatte) und als der Hund diese fand und die Frau sie an sich nahm, erklärte sie, dass es nicht erlaubt ist, diese einzuführen. Ole war völlig geschockt und dachte, sie würde ihn verarschen, aber ich sagte nur "ich hab dir ja gesagt du sollst dir nicht zu viel Essen kaufen und mit nach Australien nehmen... die sind bei sowas halt manchmal echt pingelig"...
Wir kauften also unsere Shuttlepässe (die mit 19$ wirklich deutlich teuerer waren als die umgerechnet ca. 3,50€ in Taipeh!) und wir wurden mit anderen Reisenden von einem älteren Herren durch den Flughafen und nach draußen zum Shuttle geführt. Und als wir aus dem Flughafengebäude hinaustraten und die Palmen und den blauen Himmel sahen, schauten wir uns an und wussten: Wir sind in Australien!

Nun aber zum eigentlichen Thema dieses Blogposts: Grund Nummer 2, nach Australien zu gehen ist, um eine neue Kultur kennenlernen. Wir haben das bereits bei unserem Stopover in Taipeh getan, und es war dort wirklich wie man es sich vorstellt bzw. manchmal im Fernsehen sieht. Wir haben nette Menschen kennengelernt, die uns ihre Kultur gezeigt haben und uns einen richtig tollen Start in unser Abenteuer bereitet haben. Jetzt sind wir in Australien und es ist nochmal ein ganz neuer Anfang, weil das Land natürlich etwas komplett anderes ist als Taiwan. Taiwan war fast wie ein Kulturschock, aber ich bin auch froh nun wieder etwas zu sehen, was mir mehr oder weniger bekannt vorkommt, wo ich mich mit mehr als Händen und Füßen zu verständigen weiß und wo man das Klopapier ohne Sorgen mit in die Toilette befördern darf.
Und trotzdem: Taipei, we will be back!




 




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