Merke: Wenn man weiß, dass das Hostel, zu dem man möchte, Eva's Backpackers heißt und man dem Shuttlebusfahrer ein Ticket, auf dem genau das auch draufsteht, in die Hand drückt und dieser dann darauf besteht, dass man anscheinend zu "Base" möchte, dann sollte man lieber einmal mehr als einmal zu wenig klarstellen, dass Eva's Backpackers NICHT das Base ist. Denn das Base ist ein Hostel, dass ca. 25 Minuten zu Fuß vom Eva's Backpackers entfernt ist, und wenn man gerade einen 9 Stunden langen Flug hinter sich hat, es warm ist und man Gepäck von insgesamt ca. 20 Kilo mit sich rumschleppen muss, dann ist es wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt eher suboptimal, wenn der Fahrer einen dann wirklich vorm Base stehen lässt.
Da standen wir dann also, keine Ahnung wohin, aber zum Glück konnten wir ja nach 13 Jahren Schule ein kleines bisschen Englisch (haben wir dort also doch was gelernt!) und hatten einen Stadtplan und die Adresse des Hostels. Nachdem wir das erste Mal einen Australier nach dem Weg gefragt hatten - und so in etwa ein Drittel verstanden hatten, und das vor allem dadurch, dass er seine Wegbeschreibung mit Fingerzeigen unterstütze - war uns klar, dass da sprachlich noch einiges auf uns zukommen würde.
Auf dem Weg zu unserem Hostel kamen wir dann direkt am Hyde Park vorbei und merkten außerdem, dass Sydney nicht so flach war, wie wir es uns vorgestellt hatten. Das verlieh der Stadt einen gewissen Charakter und vor allem war es eine Art Schock, nach Taipeh an einen Ort zu kommen, wo alles so neu und nicht eng zusammengequetscht scheint und man sich schon fast wieder wie in Europa fühlt. Aber eben nur fast, denn wenn überall Palmen die Straßen säumen und Papageien kreischend über deinen Kopf hinwegfliegen (und allgemein überall seltsame Vögel rumlaufen - und damit meinen wir wirklich Vögel), dann kann da ja irgendwas nicht stimmen...
Im Hostel angekommen stellten wir schnell fest, dass wir uns das Zimmer mit einer Französin und einem Franzosen teilten, dass man auf dem Dach des Hostels die Skyline von Sydney begutachten und dort gemütlich rumchillen konnte und das es sogar eine (wie wir aufgrund der kommenden Erfahrungen unserer Reise rückblickend behaupten möchten) verdammt gut ausgerüstete und saubere Küche mit Aufenthaltsraum gab.
Unser Entschluss, erst einmal einkaufen zu gehen und in den nächsten Tagen immer frisch zu kochen, erwies sich als sehr edel (da Backpacker sich ja angeblich nicht sehr gesund ernähren - da dachten wir uns, ha, von wegen, das können wir besser!) aber allerdings auch als sehr teuer. Als wir so hungrig durch den großen Coles liefen, verging uns bei dem Anblick der Preise wirklich fast der Appetit: Käse zwischen 5 und 10 Dollar, Brot 3 - 6 Dollar, Collegeblock 4 Dollar oder teurer... Und mein Papa hat immer zu mir gesagt, ich sollte doch nicht im Marktkauf einkaufen, da wäre doch alles viel teurer als im Aldi (oder woanders) - doch gegen die australischen Preise kommt der Marktkauf einfach nicht ran.
Schnell fanden wir raus, dass man hier nicht sehr weit kommt, wenn man die Größe der Packungen und ihre Preise vergleicht, sondern man das beste Preis-Leistungs-Verhälrtnis am besten erkennt, wenn man nach den pro-100g-Preisen oder den pro-1-Liter-Preisen guckt, die ebenfalls unter jedem Produkt stehen. Mit gefülltem Einkaufskorb ging es dann zum Self-Check-Out - hier kann man seine Sachen selber scannen und muss nicht an einer Kasse anstehen! Das erwies sich allerdings als schwieriger als wir dachten, denn man hatte links neben dem Monitor und dem Scanner Tüten, in die man seine Einkäufe nach dem Scannen packen konnte, und wenn das Gewicht dieser Tüten zu schwer wurde, dann zeigte der Monitor an, dass man etwas Unerwünschtes in die Tüte gepackt hatte und man es doch bitte entfernen sollte. Bis wir rausgefunden hatten, dass man dann einfach mit einer neuen Tüte weitermachen musste, na das dauerte natürlich etwas...
Außerdem klebt man auf seine Obsttüten nicht wie in Deutschland schon vorher Zettel mit dem Preis drauf, sondern schmeißt die Tüte auf den Scanner zum Wiegen und wählt dann das Gemüse oder Obst aus, das man kaufen möchte. Schade nur, dass keiner von uns wusste, was Paprika auf Englisch heißt und es eine halbe Ewigkeit dauerte, bis wir das richtige Bild entdeckt hatten! :D
Nach dem Einkauf war ich dann froh, mal wieder eine richtig deutsche Brotzeit zu mir nehmen zu können (auch wenn das Brot hier immer weich ist und das Mehl anscheinend nur dunkel eingefärbt wurde): Mit Käse und Marmelade und Tomaten und frischem Orangensaft und allem drum und dran! Und obwohl wir uns noch vorgenommen hatten, an diesem Abend zu kochen, kamen wir nicht mehr dazu, denn wir schliefen mal wieder früh ein. Ja ja, wir Schlafmützen, schon klar.
Am nächsten Morgen gingen wir in ein Backpackerreisebüro, da uns die Leute die dort arbeiteten einen Tag vorher angesprochen hatten und uns angeboten hatten, uns zu helfen, wenn wir Fragen hätten. Dass es diese Büros (in denen immer Computer zur freien Benutzung stehen) an jeder Ecke gibt und sie eigentlich Touren oder Ausflüge verkaufen wollen, wussten wir da natürlich noch nicht, und sprachen direkt die blonde Schwedin von gestern an, ob sie wisse, woher wir eine Steuernummer, ein Bankkonto und einen Job kriegen. Nach einigen schwammigen Antworten verwickelte sie uns dann gekonnt in ein Gespräch über typische Backpackerausflüge an der Ostküste, erzählte uns eine Stunde von den Dingen, die wir auf diesen Trips tun würden (vieles wusste ich beispielsweise schon, denn wer mich kennt, weiß, dass ich immer gut vorbereitet bin) und machte uns schließlich einen "unschlagbaren" Preis von 1100 Euro für ein Busticket von Cairns nach Sydney, gültig für drei Monate, und mehrtägige Ausflüge zu den Whitsunday Islands und Fraser Island. Schade nur, dass wir armen Backpacker noch keinen Job und somit absolut kein Geld für irgendetwas davon hatten! :D
Ein Gutes hatte das Gespräch dann doch: Wir entschieden uns, Sydney bald zu verlassen, da die Stadt einfach arschteuer ist und nach Cairns zu fliegen, um dort Arbeit zu suchen, denn es gibt dort in der Nähe viele Farmen und man zahlt pro Nacht bis zu 20 Dollar weniger. Wir überlegten uns, dass man nach ein paar Monaten Arbeit dann ja die Ostküste runterreisen könnte - wie es halt die meisten Backpacker machen. Wir buchten also noch am selben Tag an einem der Computer in eben diesem Backpackerreisebüro unseren Flug, der zwei Tage später gehen würde. Da wussten wir ja noch nicht, was bald auf uns zukommen würde...
Abends kochten wir dann tatsächlich Reis mit Hähnchen, Ananas und Curry und am nächsten Morgen Omelette. Denn hier hatten wir auch die Zeit, uns mindestens ein Mal am Tag für über eine halbe Stunde an den Herd zu stellen und anschließend alles wieder abzuspülen (ja, Mama und Papa, ihr lest richtig! wir spülen jedes Mal ab!). Schließlich wollen wir ja auch nicht, dass die anderen Backpacker alles stehen lassen und wir dann keine Pfannen und keinen Platz zum Kochen mehr haben...
Am Mittwoch, unserem dritten und letzten Tag, sahen wir uns dann das
erste Mal die Stadt richtig an: Wir liefen zu Fuß zum Opera House, am
Hafen entlang und kamen sogar in die Nähe der Harbor Bridge. Wir sahen
zum ersten Mal Didgeridoo-Spieler und ich beschloss beim Vorbeigehen an
einem Laden, an dem Cowboyhüte verkauft würden, mir unbedingt irgendwann
auf meiner Reise noch einen Cowboyhut zuzulegen. Auf dem Rückweg zum
Hostel begutachteten wir noch den Royal Botanical Garden, bei dem man am
Eingang dazu aufgefordert wird, die Bäume zu umarmen.
Abends aßen wir dann die Reste des Currys und des Omelettes, schrieben Postkarten auf der Dachterasse, sahen die Sonne hinter der Silhouette Sydneys untergehen und es ergab sich, dass wir durch eine Gruppe von ca. 6 deutschen Jungs das erste Mal Bekanntschaft mit Goon machten (wir wissen immer noch nicht, wie man das schreibt), der Wein, den alle Backpacker trinken, da gerade Alkohol hier quasi unbezahlbar ist (man kann sich eine Flasche Whisky oder Absolut Vodka ja zum nächsten Geburtstag wünschen...) und man für 4 Liter Goon zwischen 9 und 12 Dollar bezahlt. Der Wein ist eher süß und ich persönlich fand ihn gar nicht schlecht, aber die meisten Jungs meckerten, sie hätten lieber Bier getrunken, wenn das nicht ebenfalls sauteuer wäre. Nach einem netten Abend mit Kartenspielen und Austausch von den ersten Erfahrungen in Australien, hatten wir in Erfahrung gebracht, dass es in Cairns angeblich gerade sehr schwer sein soll, Arbeit zu finden. Zum Glück hatte die nette Französin auf unserem Zimmer uns bereits zwei Anlaufstellen in Cairns genannt: eine Agentur, die Arbeit vermittelt und die Adresse eines Hotels, in dem eine Freundin von ihr zurzeit noch putzte, aber wohl bald eine Stelle frei werden würde. Dazu dann später mehr.
Am nächsten Morgen packten wir unsere Sachen zusammen und machten zum Frühstück frischen Obstsalat. Von wegen, Backpacker ernähren sich nicht gesund! Das ging also doch! Dachten wir damals...
Am Flughafen zeigten wir dann am Check-in Schalter die einzige Email, die wir von der Website, über die wir unseren Flug gebucht hatten, bekommen hatten, und die Frau am Schalter erklärte uns, wir hätten wohl die Tickets gebucht, aber nicht das Gepäck, und müssten nun beide 90 Dollar bezahlen, wenn unsere Backpacks mitfliegen sollten. Da hatten wir dann den Salat! Nach einigem Diskutieren blieb uns allerdings nichts anderes übrig als das Geld abzudrücken. Die Lady hatte uns erklärt, wir könnten das dann später mit denen klären, über die wir gebucht hatten, aber für den Moment hatten wir insgesamt 180 Dollar in den Sand gesetzt... Irgendwas passiert ja immer.
Und mit diesem Denkzettel stiegen wir dann in das Flugzeug, das uns nach Cairns bringen würde... Die Zwiebeln und der Knoblauch, welche vom Kochen übriggeblieben waren, wurden uns nach der Ankunft übrigens nicht weggenommen wie Oles Äpfel am Flughafen in Sydney... ;)
Übrigens haben wir jetzt unsere Reiseroute aktualisiert. :)
1 Kommentar:
Discounter wie Lidl oder Aldi bieten hingegen Produkte an, die im ähnlichen Preisbereich liegen wie in Deutschland. Die Discounter gibt’s vereinzelt in bestimmten Stadtvierteln von Sydney sowie im Umland. Je nach Region und Höhe der Lebenshaltungskosten sollte man sich deshalb im Vornherein entscheiden, bei welchem Supermarkt der regelmäßige Einkauf Sinn macht.
;)
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